Was machen zwei schwedische Schwestern, die Krimis lieben? Na klar, sie schreiben selber einen! „Die Therapeutin“ heißt das Erstlingswerk der Schwestern Camilla Grebe, Betriebswirtin, und Åsa Träff, Psychologin. Kühles betriebswirtschaftliches Kalkül einerseits, detaillierte psychologische Einblicke in angstzerfressene Seelen andererseits: das Konzept geht auf.
Siri Bergmann heißt die Heldin. Sie ist Mitte dreißig, aber schon Witwe. In einer Stockholmer Gemeinschaftspraxis setzt sie sich täglich mit den Ängsten und Neurosen ihrer Patienten auseinander. Abends, nach getaner Arbeit, kehrt sie, die selbst panische Angst vor der Dunkelheit hat, in ihr leeres Haus am Meer zurück, schaltet alle Lichter ein, legt die große Taschenlampe bereit und gönnt sich zu viel Alkohol, um den Tod ihres Mannes, den sie noch längst nicht überwunden hat, zu verdrängen. Eine Psychologin, die selbst in hohem Maße die Hilfe eines Therapeuten nötig hätte. Und zu diesen Problemen kommen bald weitere. Eine Patientin von Siri wird in der Nähe ihres Grundstücks tot aufgefunden. Selbstmord? In dem gefundenen Abschiedsbrief „bedankt“ sich Sara, so heißt die Patientin, dafür, dass Siri ihr geholfen habe, einzusehen, dass ihrem Leben der Sinn fehle. Und dabei bleibt es nicht. Es stellt sich bald heraus, dass Siri das eigentliche Ziel einer ganzen Reihe von nun folgenden gewaltsamen Anschlägen ist. Bald ist jeder verdächtig: Siris Patienten ebenso wie ihre beiden Kollegen Sven und Aina, mit denen zusammen sie die Praxis betreibt.
Wer ist Freund? Wer ist Feind? Darf Siri ihren Sinnen noch trauen oder sind sie zu sehr vom Alkohol benebelt? In diesem Aufbau erkennt man deutlich die Krimifans, die viele einschlägige Thriller selbst gelesen haben. Dennoch ist
Die Therapeutin ein gelungenes, eigenständiges Stück Spannungsliteratur aus dem Norden. Die Stärke des Krimis liegt darin, die Atmosphäre des wachsenden Misstrauens zu schildern, falsche Fährten auszulegen und überzeugend den Leser das eine glauben zu lassen, während etwas ganz anderes im Gange ist.
Der Psychologin Åsa haben wir wirklich eindringliche und in ihrer ganzen beklemmenden Authentizität geschilderte kranke Seelen zu verdanken, die unruhige Nächte versprechen. So hat man zwar irgendwann eine Vermutung betreffend des Motivs desjenigen, der Siri nach dem Leben trachtet, aber wer diese Person tatsächlich ist, überrascht am Ende – ein Krimi, der die Spannung effektiv bis zum Schluss hält.
Vielen Dank an Alexandra Hagenguth
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